„Was ist ein Biobauernhof?“ „Warum schlafen Hühner auf Stangen?“, „Warum werden Tiere getötet?“

    – Ernährungskurs besucht Biobauernhof „Hof zur Hellen“ –

    ein Beitrag von H. C. Deppe

    Diese und noch viel mehr Fragen stellten 24 Kinder der Klassen 5 und 6 beim Besuch des Demeter Biobauernhofs „Hof zur Hellen“  in Velbert-Neviges.

    Nach einem bäuerlichen Frühstück mit frischer Milch, selbstgebackenen Brötchen und vollmundiger Butter ging es endlich raus auf den Hof. Frau Wamsler, Landwirtschaftsmeisterin, hatte schnell einen guten Draht zu den Kindern.

    Biohof HühnerWas ist eine artgemäße Tierhaltung? Woran orientiert sie sich? Und was ist die Philosophie und Arbeitsweise eines Demeter-Betriebes? Eine artgemäße Tierhaltung orientiert sich an den natürichen Bedürfnissen des ursprünglich wildlebenden Tieres. Der Mensch, der es als Haus- und Nutztier hält, muss hier einen guten Kompromiss mit dem Tier finden. Zum Beispiel laufen die Hühner der Rasse „Bergische Schlotterkämme“, eine der ältesten deutschen Hühnerrassen, in einem großen Auslauf frei herum, haben einen überdachten Futter- und Legebereich und bekommen hofeigenes Futter. Schlafen tun sie auf Stangen. Warum bloß? Das kluge Huhn schützt sich dadurch vor Feinden wie dem Fuchs oder dem Marder. Das hatten die Kinder schnell herausgefunden.

    Biohof KüheNun aber weiter zu den Kühen. Gemolken werden sie zweimal täglich und mit hofeigenem Futter versorgt. Später im Frühjahr geht es auf die Weide. Im Stall waren noch die Kälber, denn ohne Kalb gibt die Kuh keine Milch. Die Jungen und Mädchen waren total begeistert. Die Kälber ließen seelenruhig den Ansturm von liebkosenden Händen über sich ergehen. Machmal legten sich ängstlich die Ohren nach hinten, wenn es ihnen zu viel wurde. Die Kinder erfuhren, was die Kühe fressen, wieviel Milch sie geben und was mit der Milch passiert.

    Zwei Schweine, munter, rosig und schön sauber grunzten im Strohbett. Bald 1,5 Jahre alt werden sie geschlachtet. Nachdenkliche Kinder. Warum töten wir Tiere? Frau Wamsler erklärte, dass sie die Tiere – Schweine wie Rinder – selber einzeln zum nahegelegenen Schlachthof bringen. Sie beruhigen die Tiere und da die Tiere sie kennen, haben sie auch keine Angst, wenn sie im Schlachthof ankommen. Der Schlachthof wurde gemeinsam von einigen Biohöfen gegründet, ist also ein kleiner, regionaler Schlachthof. Die Anfahrt ist kurz. Allerdings – auch dort werden die Tiere getötet – weil wir sie essen wollen.

    Will man das nicht, was kann man tun? Nun – kein oder nur noch wenig Fleisch essen und dann eben von Tieren, die vorher ein schönes Leben hatten und gutes Futter ohne Medikamente und Hormone bekommen haben, wie die meisten der in Massentierhaltung gehaltenen Tiere. Das war den Kindern sofort klar.

    BiohofEndlich gings an die praktische Arbeit zu Gärtner Paolo: Erde in Töpfe füllen, in die dann später junge Pflanzen gesetzt werden. Die Kinder waren begeistert bei der Sache und lagen schnell im Wettstreit: Welche Gruppe hat die meisten Töpfe mit Erde gefüllt bzw. die meisten Kisten mit Töpfen bestückt?

    Auf die Frage, was denn den Kindern am besten gefallen habe, antworteten einige: „ Bei Paolo die Töpfe mit Erde füllen.“

    So verließen um 13. 30 Uhr viele Kinder mit glänzenden Augen und mit Jacken voller Stroh und dreckigen Gummstiefeln den Hof. Halt nein, bevor sie in den Bus einstiegen, mahnte die strenge Stimme des Busfahrers, die dreckigen Schuhe auszuziehen.

    Bis zum nächsten Mal Frau Wamsler! Zur Kartoffelernte im September!

    Wir möchten uns herzlich bei der Sarah-Wiener-Stiftung  für die Ermöglichung des Hofbesuchs bedanken und freuen uns auf eine zukunftsweisende Zusammenarbeit.

    Fakten zum Hof:
    Der „Hof zur Hellen“ wird seit 1982 biologisch-dynamisch bewirtschaftet. Er liegt im hügeligen Bergischen Land und ist von Wäldern umgeben. Mit seinen Bereichen Milchvieh, Schweinehaltung, Hühnerhaltung, Ackerbau, Grünlandwirtschaft und Gärtnerei ist er ein vielseitiger Gemischtbetrieb. Seine Produkte werden über ein Abokistensystem vermarktet.
    De, 26. 3. 2014