Reportage über die „Lessingschule Düsseldorf als Schmiede der Talente“

In der Märzausgabe 2018 berichtet das Magazin „Wir im Sport“ vom Landessportbund über das Lessing-Gymnasium:

DAS LESSING-GYMNASIUM UND BERUFSKOLLEG WAR VOR GUT ZEHN JAHREN  DIE ERSTE NRW-SPORTSCHULE. SIE HAT INNOVATIVE KONZEPTE ZUR TALENTSICHTUNG UND -FÖRDERUNG ENTWICKELT. EIN SCHULPORTRÄT.

TEXT: JÜRGEN BRÖKER, FOTOS: ANDREA BOWINKELMANN

Reportage: Lessingschule Düsseldorf

Maurice hat mit dem Aufwärmtraining schon begonnen. Der 16-Jährige sitzt auf einem Rudergerät und rollt auf seinem Sitz gleichmäßig vor und zurück. Das typische Surren erfüllt den Raum im Untergeschoss der neuen Dreifachturnhalle. Es ist gerade 10.30 Uhr. Ein normaler Mittwochvormittag. Der D-Kader-Athlet des deutschen Ruderverbands hat eine Freistunde in seinem Unterrichtsplan. „Das ist hier optimal. Ich kann den Kraftraum in meiner Freistunde für eine zusätzliche Einheit am Vormittag nutzen“, sagt der Schüler des Lessing-Gymnasiums in Düsseldorf. Einer NRW-Sportschule, wie es sie an 18 Standorten über das ganze Land verteilt gibt. „Damit sind wir in NRW sehr gut aufgestellt“, sagt Julia Hämel, Leistungssportreferentin des Landessportbundes NRW. Allerdings war das Lessing-Gymnasium die erste Sportschule im Land. Vor gut zehn Jahren machte sich das Kollegium dort auf den Weg, um den Schülern optimale Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Schule und Leistungssport mit dem Ziel der dualen Karriere zu bieten. Kernpunkte sind:

Am Sportgymnasium geht es nicht nur um sportliche Förderung. Auch die schulische Leistung muss stimmen

— ein motorischer Eingangstest für angehende  Schüler

— fünf statt drei Regelstunden Sportunterricht

— die Möglichkeit, dienstags bis donnerstags  in den ersten beiden Stunden ein Frühtraining  zu absolvieren

— ein besonderes System zur Talentsichtung.

Dieses setzt schon in der fünften Klasse an. „Wir haben ein Rotationsprinzip eingeführt, bei dem die Sportschüler innerhalb eines Jahres verschiedene Sportarten in Kleingruppen durchlaufen“, erklärt Anja Nickel. Die Sportlehrerin ist Koordinatorin für die Jahrgangsstufen 5 bis 7. Die Kinder können sich so zum Beispiel im Taekwondo, Handball, Fußball, Judo, Basketball und in der Leichtathletik optimal ausprobieren.

ES GIBT LANDESMITTEL

Betreut werden die Gruppen im Idealfall von einem in der jeweiligen Sportart ausgebildeten Trainer. „Dafür stehen Landesmittel zur Verfügung“, sagt Hämel. Auch den Trainern bietet die Arbeit mit den Kleingruppen mit nur zwölf Schülern sehr gute Voraussetzungen. Durch die kleine Betreuungsrate erhalten sie eine optimale Übersicht über ihre Lerngruppe und können so eine effiziente Talentsichtung durchführen. Fallen bei den Kindern besondere Begabungen für eine Sportart auf, erhalten diese eine Empfehlung. „ Darüber hinaus werden sie direkt von den Vereinen zum Probetraining eingeladen“, sagt Nickel. 

Neben den Kernsportarten ist aber auch Platz für Athleten aus anderen Sportarten. „Wir haben bei uns auch Golfer oder Hockey- und Eishockeyspieler“, sagt Nickel. Sie alle profitieren von der Ausrichtung der Schule auf den Leistungssport. Gut 1.000 Schüler gehen auf das Lessing-Gymnasium. Etwa elf Prozent von ihnen sind Leistungssportler wie Maurice.

KOOPERATION MIT FORTUNA DÜSSELDORF

In der Jahrgangsstufe 6 und 7 sind die Schüler im Sportunterricht im Klassenverband aktiv. In dieser Altersstufe liegt ein Schwerpunkt auf dem Athletiktraining. Zusätzlich haben die gesichteten Talente die Möglichkeit, am Talentfördertraining durch hochqualifizierte Fachtrainer teilzunehmen. Im Fußball gibt es beispielsweise eine Kooperation mit Fortuna Düsseldorf, im Judo arbeitet die Schule mit dem JudoClub 71 Düsseldorf zusammen. Der Verein nutzt auch die im Untergeschoss der im vergangenen Jahr eingeweihten Dreifachturnhalle liegenden Räume des Landesleistungszentrums Judo.

Fünf statt drei Regelstunden Sport stehen am Lessing- Gymnasium im Stundenplan

Vor dem Wechsel in die 8. Klasse gibt es einen weiteren sportmotorischen Test. Diejenigen, die als beste aus diesem Test hervorgehen und die Schüler, die einem Kader zugehören, werden in einer „Leistungssportklassen“ zusammengefasst. In den Jahrgangsstufen 8 und 9 ist der Stundenplan so gestaltet, dass von Dienstag bis Donnerstag in den ersten beiden Stunden keine schriftlichen Fächer für die Schüler liegen. Damit werden bis zu drei Einheiten Frühtraining möglich. Dieses findet zum Teil am Lessing-Gymnasium selbst statt. Häufig aber auch an den Stützpunkten einzelner Sportarten. Etwa am Deutschen Tischtenniszentrum. Nach dem Frühtraining werden die Schüler dann entsprechend von dort mit dem Kleinbus zur Schule gefahren.

Das Lessing-Gymnasium hat in den vergangenen zehn Jahren große Erfolge gefeiert. Als einzige Mannschaft aus Europa überhaupt gelang es zum Beispiel dem Tischtennisteam den WM-Titel der Schulen zu gewinnen. Zahlreiche erfolgreiche Sportler drückten dort die Schulbank. „Ohne solche Sportschulen, wie das Lessing-Gymnasiums wäre die Entwicklung der Talente nicht möglich“, sagt Julia Hämel.

NETZWERK SCHULE-LEISTUNGSSPORT

In Nordrhein-Westfalen kooperieren 42 Leistungsstützpunkte der Sportfachverbände mit insgesamt 54 beteiligten Schulen – darunter sind neben den NRW-Sportschulen auch die Partnerschulen des Leistungssports. Die beteiligten Schulen werden mit zusätzlichen Stellen durch die Landesregierung unterstützt. Die eingesetzten Kräfte werden in den Bereichen der Hausaufgabenbetreuung, des Stütz- und Förderunterrichts, der Koordinierung sowie für zusätzlichen Sportunterricht eingesetzt.

Der originalartikel als pdf: Wir_im_Sport_3_2018_S.22ff

Autor: Schulte

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