Nach fast 25 Jahren: Der Lotse geht von Bord

    Einschulung 2019 – ohne Maske, mit Publikum!

    Am Freitag, 26.06.2020, war es dann so weit. Als eine seiner letzten Amtshandlungen hielt der Direktor Herr Langhoop die diesjährige Abiturrede. Das hat er bisher jedes Jahr getan, aber dieses Jahr musste er sie vor den verschiedenen Lernprofilen und BK-Kursen, die wegen der Pandemie nacheinander ihren Abschluss feierlich erhielten, mehrmals halten. Corona hat alle Pläne durchkreuzt, stellte Herr Langhoop fest. Corona stiehlt den diesjährigen Abiturienten im wahrsten Wortsinn die Show – aber nicht nur denen. Was Herr Langhoop in der Abiturrede nicht erwähnte ist, dass auch er nach mehr als 24 Jahren am Lessing ohne große Feierlichkeit in den Ruhestand geht. Keine Reden, kein Buffet, nicht einmal den obligatorischen Handschlag gab es zum Abschied.

    Immerhin eine kleine Truppe Unerschrockener trotzte der Pandemie und hat auf einem der Schulhöfe eine kleine Überraschungsfeier für unseren Schulleiter organisiert. Statt langatmiger Reden gab es ein Ständchen, das vom stellvertretenden Schulleiter ge-(nicht ver!)geigt wurde. Time to say good bye…

     

    Im Jahre 1995 kam Herr Langhoop vom Heinrich-Hertz-Berufskolleg als stellvertretender Schulleiter ans Lessing-Gymnasium. Gebürtig ist er aber kein Düsseldorfer, sondern stammt aus dem hohen Norden, aus der Hansestadt Bremen. Was ihn vom Mäuseturm zum Schlossturm verschlagen hat, bleibt seine Privatsache, der rheinische Frohsinn war es jedenfalls sicher nicht. Ausgerechnet am 03.03.2005, an Altweiber, erhielt Herr Langhoop seine Ernennungsurkunde zum Rektor der Schulen Lessing-Gymnasium und Lessing-Berufskolleg. Für den Mann aus dem Norden war das ein Tag zum….

     

    …arbeiten! In heroischem Bestreben um die Bildung seiner Schützlinge versuchte Herr Langhoop einige Jahre lang, den Altweibertag als Schultag durchzusetzen. Überhaupt waren ihm alle Formen der „rheinischen Lösung“ für Konflikte eher fremd. Hoch engagiert ging der frischgebackene Schulleiter daran, dem Lessing bei der Kenntnisnahme einschlägiger amtlicher Verordnungen und Verfügungen zu helfen und Schülern wie Lehrern den rheinischen Schlendrian auszutreiben. Und da neue Besen bekanntlich gut kehren, gelang es ihm tatsächlich, die „Quality-time“, d.h. die tatsächlich zum Lernen genutzte Unterrichtszeit am Lessing deutlich zu erhöhen. Außerdem verbesserte sich das Kollegium deutlich bei der Dokumentation und Aktenführung, so dass die Schule schließlich sogar eine Qualitätsanalyse der Bezirksregierung unter seiner Leitung mit Bravour bestand. Aus der kleinen Stadtteilschule mit zeitweise mäßigen Anmeldezahlen verwandelte sich das Lessing unter seiner Ägide und unter tatkräftiger Mithilfe des Kollegiums erst zur Partnerschule des Leistungssports (2003), dann zur ersten NRW-Sportschule (2007). Schon 2006 wurde die Schule Teil des Bundesstützpunkts für Tischtennis in Kooperation mit dem angeschlossenen Tischtennisinternat des deutschen Tischtennisverbandes. 2013 zog der Landesleistungsstützpunkt Judo in das Lessing ein und   2014 avancierte das Gymnasium zur Eliteschule des Fußballs.

    Es ist aber die Ironie des Rheinlandes, dass seine Mentalität auf jeden abfärbt, der sich hier länger niederlässt. Wer dem Frohsinn widersteht und dem Schlendrian trotzt, den erwischt die rheinische Aufschieberitis! Denn wer sich in seinem Laden persönlich um buchstäblich alles kümmert, kommt nämlich nicht umhin, die eine oder andere Sache schon mal auf die lange Bank schieben zu müssen. So ist der gebürtige Bremer dann am Ende doch noch im Rheinland „mental“ angekommen.

    Dass er rheinischen Lösungen eher misstraut, bleibt allerdings unverändert. Der Elternpflegschaftsvorsitzende, Herr Witzmann, betont, dass Eltern aber gerade diese Eigenschaft besonders an ihm schätzen. Herr Langhoop treffe seine Entscheidungen nie spontan, sondern nach reiflicher Überlegung. Und er habe keine Angst, auch mal unbequeme Entscheidungen zu treffen, sofern dies nötig sei. So habe er zum Beispiel standhaft die Freiräume der G8-Kinder im Ganztag gegen so manche Elternidee verteidigt, weil er fest überzeugt war, dass den Kindern weitere schulische Belastungen neben G8 und Ganztagesunterricht nicht mehr zuzumuten seien. Die schweigende Mehrheit der Eltern war da sicher auf seiner Seite, meint Witzmann, die engagierte Minderheit, die für ordentlichen Gegenwind in den schulischen Gremien sorgte, war es eher nicht.

    Bis zum letzten Tag seines Dienstes war Herrn Langhoop seine Verantwortung für die Gesundheit seiner Schüler/innen und Kollegen/innen wichtiger als seine persönlichen Interessen und auch als die einiger Abiturienten, die das Einhalten der Hygiene- und Abstandregeln bei der Abiturvergabe beklagten, weil dadurch ihre Familien nicht anwesend sein konnten. Hier hätte man sich leicht sehr beliebt machen können und kurz vor der Pensionierung einfach auf alle Regeln pfeifen können. Das unkalkulierbare Risiko, was man dabei eingeht, hätten dann aber andere ausbaden müssen.

    Das verstehen auch die Schüler und Schülerinnen, nicht alle, aber die meisten. Im Namen der gesamten Schülervertretung verabschiedet sich Ilyas Samy Zergani mit Dank für die jahrelange konstruktive Zusammenarbeit mit der SV. Die Schüler und Schülerinnen des Lessing lassen ausrichten, dass sie sich freuen würden, wenn ihr „alter Rektor“ sie ruhig noch mal öfters besucht und nach dem Rechten schaut.

    Auch das Kollegium, das von seiner weitsichtigen Einstellungspolitik deutlich geprägt und enorm verjüngt wurde, verabschiedet sich mit Dank und besten Wünschen für den Ruhestand von „seinem“ Rektor. Die gesamte Schulgemeinde wünscht ihm Gesundheit und schöne, deutlich entspanntere Jahre als Pensionär! Wer die große Verantwortung von Herrn Langhoop übernehmen wird, steht  – coronabedingt – noch nicht fest.

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