Lessing-Asse putzen alle von der Platte

    Grafenberg: Gestern und heute treffen sich die besten Schul-Teams im Tischtennis-Zentrum. Das Lessing ist erneut das Maß aller Dinge.

     Autor: Von Bernd Schwickerath von der Westdeutschen Zeitung, erschienen 13.02.2014

    Um kurz vor 12 Uhr kommen sie. Während die ersten Spiele des Turniers längst laufen, hat sich der Topfavorit Zeit gelassen. Fast unscheinbar betreten die sechs Spielerinnen im Alter von 13 bis 17 Jahren in ihren schwarzen Polohemden die Halle 3 des Deutschen Tischtennis Zentrums an der Ernst-Poensgen-Allee – und ziehen trotzdem gleich die Blicke der anderen Spielerinnen auf sich. Hier und da wird getuschelt, einige zeigen gleich mit dem Finger in Richtung Eingang.

    Schließlich weiß jeder, dass hier gerade nicht irgendeine Mannschaft kommt, hier kommt der fünffache Deutsche Meister. Und jeder ahnt, dass dieses Turnier genauso enden wird wie jedes in den Jahren zuvor: mit einem Sieg des Lessing Gymnasiums.

    Die Landesstelle für Schulsport hat unter dem Motto „Jugend trainiert für Olympia“ zum Wettkampf geladen. Es geht um nichts Geringeres als die Tischtennis-Krone Nordrhein-Westfalens. Und obwohl sich dafür die besten Schul-Teams aus den fünf Regierungsbezirken des Landes getroffen haben, erwartet niemand einen spannenden Wettkampf. Zu dominant sind die Düsseldorferinnen.

     Die Mädchen vom Lessing haben 15 Mal in der Woche Training

    Von Arroganz ist bei den Lessing-Mädchen im Vorfeld trotzdem nichts zu spüren. Obwohl sie im Gegensatz zu den anderen Teams keine typische Schulmannschaft sind. Sie sind die Auswahl der Sportschule NRW, der Kaderschmiede schlechthin. 15 Mal trainieren sie in der Woche. „Vor dem Unterricht, mittags und nach dem Unterricht. An fünf Tagen in der Woche. Am Wochenende kommen noch Spiele mit den Vereinen oder Einzelwettbewerbe hinzu“, erklärt Lehrer Benedict von Issem.

    Er begleitet die Mädchen, die in den vergangenen Jahren aus allen Teilen Deutschlands in das ans Leistungszentrum angeschlossene Internat gezogen sind, um hier Tischtennis zu spielen. Um auf eine Profikarriere vorbereitet zu werden. Ob es grundsätzlich sinnvoll ist, dass sich diese Leistungssportlerinnen nun mit größtenteils Hobbyspielerinnen messen, ist fraglich. Andererseits spielen sie nun mal für eine Schule. Und das hier ist eben eine Schulmeisterschaft.

    Ob sie denn selbst mit einem schnellen Sieg rechnen? „Ach ja, wir gucken mal“, sagt Vivian Scholz und ist die Ruhe selbst. Insgesamt wirken die Mädchen sehr abgeklärt und konzentriert, während sie sich auf ihr erstes Spiel vorbereiten. Sie sind Leistungssportlerinnen, selbst in den jungen Jahren.

    Heute gibt es zumindest etwas Wettbewerb. In den Vorentscheiden auf Stadt- und Bezirksebene konnte davon keine Rede sein. „Das ist für alle Beteiligten etwas langweilig“, sagt Lehrer von Issem. Sowohl für die Favoriten, vor allem aber für die Gegner, die kaum einen Ball auf die andere Seite bekommen.

    Kurze Zeit später stehen die Düsseldorfer Asse zum ersten mal an der Platte. Und lange dauert es nicht, ehe das Spiel wieder beendet ist. Ob Doppel oder Einzel – die Lessing-Schülerinnen kommen nicht mal in die Nähe eines Satzverlustes. Mit einem irren Tempo hauen sie ihren Gegnerinnen die Bälle um die Ohren. Das ändert sich im Laufe des Tages auch nicht mehr.

    Am Rand sitzt Katja Mischke vom Sportamt. Sie organisiert das Turnier gemeinsam mit Klaus Worms von der Landesstelle Schulsport. Vielmehr als um Verpflegung und Spielpläne müssen sie sich nicht kümmern. „Wir machen das zum achten Mal seit 2003, das Team ist eingespielt“, sagt Mischke. Außerdem sei im Leistungszentrum ohnehin alles vorbereitet. Dort wird jeden Tag Tischtennis gespielt. „Der Bundesstützpunkt und die Borussia sind super Partner“, sagt Mischke, die sich freut, dass die Gastgeberinnen aus ihrer Stadt so stark sind. „Das ist ja der Sinn einer Sportschule.“ Diefährt nun wieder zum Bundesfinale nach Berlin. Echte Gegner wird es auch dort nicht geben.