Leistungskurs Erziehungswissenschaften spielt Mäuschen in der Montessori-Grundschule Flingern

    ein Beitrag von Kimberly Céline Eichenberger und Blerina Nuha

    Am Dienstag, dem 02.02.2016 besuchte der Leistungskurs Erziehungswissenschaft der Qualifikationsphase I des Lessing-Gymnasiums zusammen mit den beiden Profilleiterinnen Frau Brea-Ruzo und Frau Untermann die Montessori-Grundschule in Flingern. Nach unserer Ankunft um 8 Uhr wurden wir in Dreier-Gruppen eingeteilt und durften zwei Stunden lang in verschiedenen jahrgangsübergreifenden Klassen der Schule Mäuschen spielen. Alle Schülerlinnen und Schüler unseres LKs hatten einen spezifischen Beobachtungsauftrag und sollten entsprechende Aspekte, die wir neben den grundlegenden Unterschieden zu Regelschulen festgestellt haben, zu Papier bringen, um uns anschließend darüber austauschen zu können.
    Foto vom Besuch der Montessori-SchuleDas Konzept der Montessori-Pädagogik basiert auf dem Leitsatz der Begründerin Maria Montessori ,,Hilf mir, es selbst zu tun“, der bereits andeutet, dass nach diesem Konzept eine Hauptaufgabe von Lehrerinnen und Lehrern darin besteht, Kinder zur Selbstständigkeit zu erziehen. Die Intention der Lehrenden, die Kinder darin zu unterstützen, möglichst selbstständig und selbstbestimmt zu lernen, konnten wir in allen Klassen beobachten. Die Lernmaterialien waren so konzipiert, dass die Kinder sich damit allein beschäftigen und lernen konnten; die Lehrkräfte standen allerdings bei Fragen als Unterstützung zur Verfügung. Es herrschte eine konzentrierte Arbeitsatmosphäre und wir hatten den Eindruck, dass die Kinder Freude am Arbeiten hatten. Besonders beeindruckt waren wir von der Tatsache, dass die Kinder trotz der Altersunterschiede so gut miteinander, nebeneinander und teilweise auch voneinander lernen konnten. Die Schülerinnen und Schüler konnten sich zum Teil aussuchen, ob sie allein oder gemeinsam mit Mitschülern arbeiten und ob sie ihre Arbeit am Tisch oder auf einem Teppich auf dem Boden durchführen wollten. Alle Schülerinnen und Schüler trugen im Klassenraum Hausschuhe, was nicht nur zur Sauberkeit in den Klassenräumen, sondern auch zu einer „gemütlichen“ Arbeitsatmosphäre beitrug.
    Die Lehrkräfte waren mit der Organisation der Stunden sowie unterschiedlicher Dokumente oder mit der Korrektur von Schülerarbeiten beschäftigt; insbesondere motivierten sie die Kinder aber auch durch Lob oder förderten den individuell unterschiedlichen Wissendrang und die Neugierde der Lernenden durch das Stellen von Fragen, die zum Nachdenken und Weiterarbeiten anregten. Eher unmotivierten Kindern wurden die zahlreichen unterschiedlichen Lernmöglichkeiten aufgezeigt, um ihr Interesse an den Lerninhalten zu wecken und bei einigen half auch ein Verweis auf Mitschüler, um ihren Ehrgeiz anzuregen. Allen Bemühungen gemeinsam schien das Ziel zu sein, dass die Kinder das Lernen als etwas Schönes und Erstrebenswertes empfanden.
    Dennoch stellt die Einrichtung Schule neben aller Freude am Lernen, die sie vermitteln sollte, auch ganz bestimmte Anforderungen an die Kinder, welchen diese gerecht werden sollten. In der Montessori-Grundschule in Flingern ist es so, dass in Verlauf einer jeden Woche bestimmte vorgegebene Pflichtaufgaben aus den Kategorien Schreiben, Lesen und Rechnen erledigt werden muss, bevor die Kinder sich mit selbst gewählten Aufgaben beschäftigen dürfen. Dies geschieht dann hauptsächlich in den Freiarbeitsstunden, die in den meisten Klassen in den ersten drei Schulstunden jedes Schultages liegen. Neben den Freiarbeitsstunden gibt es Regelunterricht in den Fächern Deutsch, Englisch und Sport. Auch das Sozialverhalten wird gefördert, beispielsweise durch einen Klassenrat, in dem über Konflikte diskutiert wird, arbeitsteilige Dienste wie den Fege- und Tafeldienst und das Pfandsystem zwischen den Klassen, um Materialien aus anderen Klassenräumen auszuleihen.
    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Schülerinnen und Schüler unseres Pädagogik-LKs hautnah erleben konnten, wie das Konzept der Montessoripädagogik praktisch umgesetzt werden kann. Daraus ergab sich in der folgenden EW-Stunde eine interessante Diskussion über die Vor- und Nachteile dieses pädagogischen Konzeptes aus unserer Sicht und ein Gespräch über die Frage, ob wir uns vorstellen könnten, unsere eigenen Kinder später einmal in einer Montessori-Schule anzumelden. In jedem Falle war diese Erfahrung nicht nur hilfreich im Hinblick auf unsere Abiturprüfungen, sondern auch für unseren weiteren Lebensweg.