Projektkurse

Über zahlreiche Neuerungen des Schulministeriums und der Schuladministration, die seit der Oberstufenreform der 1970er Jahre verfügt worden sind, lässt sich trefflich streiten. Die nun seit 2012 erlaubte, ja sogar empfohlene Einrichtung einjähriger Projektkurse in der Qualifikationsphase der gymnasialen Oberstufe ist allerdings eine eindeutig positive Neuerung.

Projektkurse ermöglichen in besonderer Weise schülerorientierte Arbeitsweisen, eine im Regelfachunterricht kaum realisierbare Berücksichtigung thematischer Schülerinteressen und gerade deshalb eine sehr intensive Auseinandersetzung mit einem von Schülerinnen und Schülern selbst gewählten Thema. Außerdem werden sogar Kleingruppenprojekte genehmigt und die Projektkursabschlussnote, die am Ende des Projektkurses gegeben, aber doppelt, nämlich für beide Halbjahre zählt, kann für den Abiturnotenschnitt voll angerechnet werden.

Am Lessing-Gymnasium werden Projektkurse vom 2. Halbjahr der Qualifikationsphase 1 bis zum 1. Halbjahr der Qualifikationsphase 2 angeboten, damit die arbeitsaufwändige Abschlussarbeit des Projektkurses nicht in die Abiturphase fällt.

Beitragsbilder 022Projektkurs: Ist die Zukunft schon Vergangenheit?

 Unter diesem bewusst kryptisch-rätselhaften Titel bietet der Sozialwissenschaftslehrer Herr Noé seit 2012 am Lessing-Gymnasium einen Projektkurs an, den alle Schülerinnen und Schüler wählen können, die parallel oder vorgängig Sozialwissenschaften oder Geschichte als Regelfach im Unterricht haben/hatten.

 

 

Dieser Projektkurs verfolgt im Wesentlichen zwei Ziele:

– Sensibilisierung für die Erkenntnis, dass sich Gesellschaft in allen Bereichen ständig entwickelt.

– Förderung der Einsicht, dass aktuelle und zukünftige Denk- und Handlungsweisen in der Gesellschaft auf vergangenen gesellschaftlichen Entwicklungen beruhen.

In den ersten Monaten werden diese Ziele mit der gesamten Projektkursgruppe verfolgt. Spätestens ab dem 2. Halbjahr spezialisieren sich die Schülerinnen und Schüler auf ihr dann aus dem Erkenntnisprozess heraus frei gewähltes Thema, um zu diesem Thema eine Projektkursarbeit anzufertigen.

Auf diese Weise sind in den beiden ersten Projektkursen Arbeiten entstanden, die sich mit zahlreichen die gesellschaftlichen Entwicklungen betreffenden Themen bzw. Problemstellungen befasst haben. Dabei sind hervorragende, spannende und anregende Darstellungen und Überlegungen entstanden. Die Vielfalt der gewählten Themen bezeugt, wie begeistert und engagiert die Schülerinnen und Schüler die freie Themenwahl in diesem Projektkurs genutzt haben. Es sind Projektarbeiten zu folgenden Gegenständen/Themen entstanden (Auswahl):

– Entwicklung der Banken

– Geld -Kapital – Glück

– Die Macht der Pharmaindustrie

– Ressourcenproblematik

– Schöner, schneller, weiter – Leben in der Leistungsgesellschaft

– Direkte Demokratie als Zukunftsvision

– Soziokybernetik

– Kommunikationstechnologie

– Nanotechnologie

– Verkehr im Wandel

– Geschichte und Zukunft des „Kö-Bogens“

– Konflikte zwischen Religion und Wissenschaft

– Die Macht der katholischen Kirche

– Entwicklung der Musik in der Neuzeit

– Hip Hop – Kultur oder Geldmacherei

– Entwicklung des Schulsystems

– Entwicklung der Literatur

– Mode und Nostalgie

ein Beitrag von  Georg Noé

 

Projektkurs: Wissenschaft und die Verantwortung für ihre Folgen

atombombeUnter diesem Titel bietet der Physiklehrer Herr Dr. Hager seit 2013 am Lessing-Gymnasium einen Projektkurs an, den alle Schülerinnen und Schüler wählen können, die eine Naturwissenschaft (Biologie, Chemie, Physik) als Regelfach belegt haben.
»In einem elementaren Sinne haben die Physiker die Sünde kennengelernt, und das ist ein Wissen, das sie niemals mehr verlieren können.« (J.R. Oppenheimer)
Die Frage nach der Verantwortung der Wissenschaft für ihre Folgen beschäftigt die Gesellschaft nicht erst seit dem 6. August 1945. Neben diesem „klassischen“ Thema sollen die Schülerinnen und Schüler auch aktuelle Forschungsergebnisse hinsichtlich des wissenschaftlichen Nutzens und der möglichen gesellschaftlichen Gefahren kritisch überprüfen.

Mögliche Schwerpunkte des Projektkurses und der Projektarbeiten können sein:
–    Energiegewinnung (Kernergie, u.a.)
–    Gentechnologie
–    Grundlagenforschung
–    „Verantwortung der Wissenschaft“ in der Literatur

Bisherige Projektarbeiten hatten die Titel (Auswahl):

–    Datenspeicherung und deren potentielle Gefahr
–    Die Kernenergie – ihr Nutzen und ihre Gefahren
–    Die Entwicklung der Technologie von damals bis heute
–    Nanotechnologie – Die Auswirkung auf die Umwelt des Menschen heute und morgen

eine Ergänzung von Dr. Michael Hager

Projektkurs: GRENZEN

Bau1Durch die akute Situation der Flüchtlingsströme werden staatliche Grenzen aktuell wieder immer sichtbarer. Mit der Errichtung eines Grenzzaunes an seiner Grenze mit Serbien hat Ungarn international für Aufsehen gesorgt – der Staat, der 25 Jahre zuvor seine Grenzen für Flüchtlinge aus der ehemaligen DDR geöffnet und so auch den Fall der Berliner Mauer begünstigt hat. Nun, im Jahr 2015 gehen Bilder von Zäunen, Mauern, Stacheldraht – nicht nur in Ungarn – verstärkt um die Welt. Auch in Deutschland diskutiert man darüber.
Die Idee einer Mauer als Abgrenzung, als Sicherung von Grenzen ist in der Geschichte des Menschen immer wieder und bis heute als Instrument von Staaten oder Kollektiven zu finden. Die Chinesische Mauer, der römische Limes, die immer noch existente scharfe Grenze zwischen Nord- und Südkorea, die Berliner Mauer als Symbol der deutsch-deutschen Teilung sind nur einige Beispiele unter vielen. Jede dieser historischen Grenzanlagen, wohl aber auch die aktuellen haben bestimmte Zielsetzungen und ihre Entstehungsfaktoren, ihre eigene Geschichte. Der Projektkurs soll leisten, einen breit gefächerten Überblick Grenzen, Wälle, Mauern und Bollwerke der Geschichte zu geben und den Teilnehmern die Möglichkeit geben, interessengeleitet zu einer „Spezial“-Grenze vertiefend und wissenschaftspropädeutisch zu arbeiten.

M. Wasserfuhr leitet den Kurs und stellt ihn hier vor. Ein Teilnehmer aus dem Projektkurs,  Marc Klose, beschreibt beispielhaft, woran hier garbeitet wird:

2016-05-10 15.12.15Der Geschichtsprojektkurs aus der Q1 unter der Leitung von Herrn Wasserfuhr  hat sich im letzten Schulhalbjahr unter anderem mit der europäischen Grenzsicherungsorganisation „Frontex“ auseinandergesetzt. Zu diesem Überthema wurden jeweils kleine Unterthemen von den einzelnen Schülern erstellt. Am Ende befassten sich sechs verschiedene Gruppen mit folgenden Themen bezüglich der Organisation „Frontex“: “Wer und Was ist Frontex?“, „Die Entwicklung des europäischen Grenzregimes“, „Externalisierung“, „Technologisierung“, „Aufgaben, Struktur und Finanzierung“ und „Frontex und Menschenrechte“.

Nach jeweiliger Vorstellung der einzelnen Gruppen wurden die Ergebnisse gesammelt und jeder konnte sich ein differenzierteres Bild von dieser Organisation machen.

Marc Klose (Q1 LP1)