Schon vor dem Abi in die Uni

Studieren vor dem Abitur?! – Ganz genau! Das geht! Und eine unserer Schülerinnen aus der Q1 hat sich getraut und im vergangenen Wintersemester mehrmals wöchtentlich das Klassenzimmer am Lessing gegen den Hörsaal an der Heinrich-Heine-Universität eingetauscht. Als eine von sehr wenigen Schülerinnen und Schülern überhaupt hat Carla in den Studiengang Humanmedizin hineingeschnuppert. Ihren Erfahrungsbericht können wir hier lesen:

Studieren vor dem Abitur an der Heinrich-Heine-Universität

Ein Erfahrungsbericht von Carla Surkamp

 

Ich habe im Wintersemester 2017/18 Medizin an der HHU studiert. Anders als bei anderen Studienfächern muss man für Medizin bestimmte Anforderungen erfüllen. So muss man einen 1,2-Durchschnitt haben und in der Q1 sein. Erfüllt man dies, muss man sich den variablen Zeiten anpassen. Die meisten Vorlesungen in einem Studienfach sind jede Woche an demselben Tag. Bei Medizin werden so viele verschiedene Vorlesungen angeboten, dass man eine eigenständige Entscheidung treffen kann und muss, was man besucht und was nicht. Es werden von Propädeutik Makro-Anatomie bis Mikrobiologie Kurse angeboten. Viele Kurse fallen aber leider weg, da die Uni keinen Nicht-Studenten daran teilnehmen lassen darf. Dazu gehören alle Kurse mit praktischem Teil.

90 Minuten Vorlesung – da ist Konzentration gefragt

Was bedeutet die Teilnahme an Vorlesungen? Man fährt an den angebenden Tagen zur Uni, setzt sich in den angegebenen Hörsaal und hört dem Professor wirklich für 90 Minuten zu, wobei es meistens eine 15-minütige Pause gibt. Danach fährt man wieder zur Schule und nimmt am folgenden Unterricht teil. Für die fehlenden Stunden wird man beurlaubt, sodass sie nicht als Fehlstunden gewertet werden. Es werden meist keine Fragen in den Vorlesungen gestellt, sondern wirklich nur ein Vortrag gehalten, dem man als Student folgen muss. Dies kann besonders morgens sehr anstrengend sein, weil man still zuhören muss und mitschreiben sollte. Diese Konzentration ist schwerer aufzubringen als im aktiven Unterricht, wo auch eine Teilnahme gefordert wird.

Man hat als Schülerstudent genau wie normale Studenten auch Zugriff auf die Folien der Professoren, was das ganze etwas erleichtert, da es eine Chance ist, dem Unterricht gut zu folgen, Fragen anschließend zu klären und ein „Vorlernen“ für ein wirkliches Studium erleichtern.

Ich fand es großartig in so viele Facetten des Studiums einen Einblick zu bekommen. Ich kann es jedem nur empfehlen, der später studieren will. Man erlebt es wirklich und kann ein Gefühl dafür entwickeln, wie unterschiedlich es doch im Vergleich zum Schulunterricht ist. Außerdem macht das Zertifikat, das man bei erfolgreicher Teilnahme erhält, sich gut im Lebenslauf und wird von Lehrern sehr positiv wahrgenommen. Der für mich persönlich aber wichtigste Grund ist, dass ein Entscheidungshilfe für das spätere Leben darstellt. Man kann bestimmte Studiengänge für jeweils ein Semester ausprobieren, um zu gucken, welcher der richtige ist, oder man probiert den Wunschstudiengang aus, um sich sicherer zu werden, dass dieser der richtige ist. Bei manchen Studienfächern darf man sogar an den Prüfungen am Ende des Semesters teilnehmen und somit dieses Semester im wirklichen Studium überspringen.

Man muss dazu aber sagen, dass es natürlich mit Anstrengungen verbunden ist, da der Unterrichtsstoff nachzuholen ist bis zur nächsten Stunde. Er darf von den Lehrern vorausgesetzt werden. Man ist auch relativ alleine in den Vorlesungen, da man nur an diesen teilnimmt, während die richtigen Student an mehreren teilnehmen und auch organisierte Treffen etc. haben. Da es aber hauptsächlich um die Erfahrung geht, stört es nicht besonders.

Organisatorisch ist das Ganze noch ausbaufähig. Das Projekt gibt es noch nicht so lange und das merkt man dem Ganzen auch ein bisschen an.

Autor: Schulte

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